Presse CELESTE BOLLACKein Portrait von Fanny Lasserre, Schriftstellerin, Paris Céleste Bollack ist eine Künstlerin, eine Frau, eine Freundin. Céleste bleibt Céleste, ob ich sie nun im Trubel des Alltags treffe oder in ihrem Atelier besuche, wo ihre Träume darauf warten, Gestalt anzunehmen. Sie ist selbstbewusst bis zu feinen Anflügen von Überheblichkeit, gequält von tiefem Zweifel, der zu enorm hohen Ansprüchen an sich selbst und die Welt führt, besessen und unermüdlich in ihrer Arbeit, verwirrend in ihren Gefühlsäusserungen und überbordenden Freundschaftsbeweisen und zuweilen tyrannisch. Sie überrascht mich immer wieder neu. Sie betrachtet die Welt wachsam, mit klarem Blick, der ihre Malerei nährt. Die Bilder von Céleste Bollack entstehen dort, wo sich verschiedene Wege kreuzen: Der des Unbewussten, ihr täglicher Weg als Frau und Mutter, jener der kompromisslosen Geliebten und derjenige der tiefgehenden Begegnungen und Freundschaften. Für mich etwas weiter entfernt ist ihre Entwicklung als Malerin, ihre eigene Auseinandersetzung mit der Kunst. Wo alle diese Wege zusammenkommen, hat Céleste beschlossen, ihre Staffelei aufzustellen, Bilder im Flug abzufangen wie glücksbringende Vögel, vielleicht Tauben, Symbole eines inneren Friedens, den sie sich täglich wieder neu erobern muss. Sie malt was sie sieht und empfindet, sie interpretiert und teilt mit, oft deftig. Es geht nicht nur darum Geister zu vertreiben, das Rätselhafte ihrer Sujets kann in jedem von uns Verständnis oder eine innere Antwort finden. Céleste Bollack schöpft aus ihren Träumen und ihren Impulsen. Sie nutzt alles, was ihr Unbewusstes an Fantasien und Fantasmen hergibt, um es auf die Leinwand zu schmeissen, zu spucken, dort alle Farben der Welt, die Nacht und die Schwärze der Finsternis explodieren zu lassen. Sie malt seit Jahren ihren jüngeren Bruder, den hinreissend schönen Vladimir, auf seinem Weg vom Kind zum Mann überwältigt von der Aufmerksamkeit der anderen und seinen eigenen Fragen nach Sinn und Ziel. Sie malt seit Jahren ihr alter ego Léontine, die schreckliche Göre. Neue Figuren tauchen jetzt in ihren Bildern auf, die Kindheit entschwindet und die Welt der Erwachsenen nimmt immer klarere Formen an. Céleste Bollack reift und schenkt Léontine weibliche Gelassenheit. Ihre Frauengesichter werden sanft und heiter beim Anblick des Neugeborenen. Doch Céleste vergisst nicht, dass jede Geburt ihren eigenen Tod in sich trägt. Ihre Wünsche sind an sich unerfüllbar: Da zu sein und gleichzeitig verschwinden zu können, Bilder zu zeigen, die den Betrachter fesseln ohne sich selbst anbinden zu lassen, Léontine das wilde Kind zu bleiben, trotz der Liebe zu ihrer Tochter und allem was lebt. In diesem Dilemma steckt sie bis zum Hals: Als Frau, und noch ausgeprägter als Künstlerin. Die Abstraktion, bis anhin nur Bildhintergrund, ersetzt in manchen ihrer neuen Bilder das Figurative ohne das Fantastische zu beeinträchtigen. Céleste klebt, sie überlagert, ergänzt ihre Malerei durch andere Techniken, die uns eine eigene Interpretationen ermöglichen und macht so das Bild zum offenen Buch, zum Kunstwerk, das sich durch unsere Augen verändern kann. Wir werden zu Mitspielern und bleiben doch Abgebildete. Für diese Ausstellung hat sie von mir zwei Portraits gemalt. Ich betrachte mich dabei, mich selbst anzuschauen wie eine Fremde, erkenne mich nicht und ertappe mich dann beim Gedanken, dass die Melancholie, die sie mir in die Augen gemalt hat, mir vertraut ist. Céleste setzt uns keinen Spiegel vor, sondern den gemalten Traum dessen, was sie in uns sieht. Wie alle, die versuchen das kollektive Unbewusste auszuloten, trägt sie dazu bei, Kunst zu definieren. Céleste Bollack gehört zu den Menschen, die durch die Mauern des Bewusstseins hindurch das Paradies der Bilder und Gedanken sehen können. Paris, 5. Mai 2005 Fanny Lasserre |
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