Presse Aus dem Buch PEJMAN, INNER TRIP, PAINTINGS: 1998-2000TEXT VON DJURO-GEORGES PERON-MAGNAN Es ist ein Privileg, dabeisein und zusehen zu können, wie ein Bild von Pejman entsteht. Er hat es nicht gern. Es sind nur wenige, die ihn dabei nicht stören. Früher, als Kind, hat er gerne mitgespielt und vor Publikum gemalt. Jetzt, als junger Mann, lässt er sich diese intimen Momente nicht mehr stehlen. Manchmal entsteht ein Bild auf der Basis von früheren Skizzen, aber das ist selten. Die leere Leinwand, unberührt, zieht ihn an. Er pinnt sie an die Wand oder legt sie auf den Boden, dazu hört er seine Lieblingsmusik, ohrenbetäubend (zum Glück lebt er im 5. Stock eines Jugendstilhauses, wo er sich das erlauben kann). Wenn er arbeitet, gleicht es einem rituellen Tanz. Seine Hände sind in ständiger Bewegung, er jongliert mit Farbtuben und Farbtöpfen, das Kratzen der Pinsel auf der Leinwand mischt sich mit der Musik. Man hat den Eindruck, dass er aus der Zeit fällt – zumindest aus der Zeit, in der wir stecken. Der Prozess wird immer dynamischer, die Kreidestifte in seiner Hand fliegen, setzen Akzente, begrenzen, ergänzen. Seine grossen Augen werden noch grösser, der Blick durchdringend und fixierend. So malt er ganze Nächte durch, stellt auch Farben nebeneinander, die wir als disharmonisch empfinden. Erstaunlich, wie sich dieser Eindruck mit dem Bild in sein Gegenteil verwandelt. Und dann, plötzlich, legt er Pinsel und Kreiden weg und das Bild ist fertig, nachdem es sich vom ersten Strich oft bis zur Unkenntlichkeit verändert hat. Pejman kommt wieder auf die Welt, erschöpft wie nach einem Match. Das Bild steht da, noch feucht, ganz frisch und er betrachtet es. Es ist jemand mit ihm im Atelier, also kann es sein, dass er erklärt, kommentiert, Zusammenhänge zeigt und das Werk betitelt. Oft gerät er dabei ganz aus dem Häuschen. Die intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Werk fängt jetzt an. Überarbeitet wird kaum je ein Bild. So malt Pejman, sei es nun in seinem Atelier, in einem Hotelzimmer, auf einem Schiff im Dschungel von Guyana. Er zieht sich gern in die Natur zurück, weit weg vom mondänen Trubel der Städte. Angst hat er beim Reisen nie, im Gegenteil eine versteckte Tendenz Gefahren entgegenzugehen. Diese Furchtlosigkeit spürt man auch in seiner Kunst. Er lebt intensiv und saugt Erlebnisse und Stimmungen auf wie ein Schwamm, unersättlich. In einer kultivierten Familie aufgewachsen, ist er für sein Alter sehr belesen und weiss viel, sei es nun über Ästhetik, Kunst, Politik, Religion, Geschichte. Als Kind hat er neben der Malerei viel geschrieben, vor allem Gedichte, heute sind Worte und Statements Teil seiner Bilder. Seine Sicht der Welt, seine Erkenntnisse und Eindrücke setzt Pejman oft in Kürzel um, die er seine Geister nennt, Köpfe, Gebeine, Gebisse, Monster, Zähne, Fische, Augen, Buchstaben die aussehen wie Alphabete einer vergangenen Zeit, in kühne Farben eingebettet, die eigenständig Inhalte evozieren. So kann ein Bild Pejmans zu einer Reise in die Vergangenheit und in die Zukunft einladen ohne unsere von Skepsis geprägte Gegenwart zu berühren. Das nächste, gefüllt mit den niederschmetternden und aggressiven Slogans eines Achtzehnjährigen, ist wiederum ganz Ausdruck unserer Zeit. Pejmans Bilder verstören. Nicht nur, weil die souveräne Gestaltung so wenig seinem Alter entspricht und man sich schwer vorstellen kann wie ein Autodidakt, fern von akademischen Strukturen, so starke Bilder malt. Die Versuchung ist gross, seine Vorbilder unter den berühmten Malern zu suchen. Man kann durchaus auch Einflüsse erkennen, aber der eigenwillige und gekonnte Umgang damit führt dieses Prozedere ad absurdum. Ob seine Bilder an diesen oder jenen Künstler erinnern, interessiert Pejman wenig. Er hat weder Zeit noch Lust, sich mit dieser Problematik auseinanderzusetzen. Er malt nun schon seit fast vierzehn Jahren und die Konstanz in seiner Kunst ist augenfällig. Irritierend wirkt auch die Grenzenlosigkeit dieses Malers. Er ist sanftmütig und gewalttätig zugleich, kann totales Chaos tiefer Ruhe entgegenstellen. Seine Bildsprache sieht oft so aus, als sei sie im Wissen vieler Generationen vor ihm verwurzelt. Der Werkkatalog PEJMAN – INNER TRIP zeigt die Arbeiten der letzten zwei Jahre (259 Abbildungen, die meisten davon in Farbe) ISBN: 2-9512787-1-3 Text frei aus dem Französischen übersetzt und gekürzt. |
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